Burnout im Betrieb. Wie spreche ich Betroffene an?

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Burnout im Betrieb. Wie spreche ich Betroffene an?

3-Tages-Seminar

Stephan Siemens (Philosoph), Martina Frenzel (Dipl.Psych)


Zielgruppe: Betriebsräte werden immer häufiger mit Kolleginnen und Kollegen konfrontiert, die unter psychischen Problemen leiden. Der Umgang mit diesen Kollegen und Kolleginnen wird immer schwieriger, denn es entstehen zahlreiche innere Widersprüche zwischen Solidarität, Mitgefühl und – berechtigter – Abwehr.

Doch was ist die Ursache diese psychischen Belastungen und Probleme der Beschäftigten? Betrachtet man diese immer häufiger auftretenden psychischen Probleme als gesellschaftliche Erscheinung liegt ihre Ursache nicht nur im wachsenden Arbeitsdruck, sondern auch in der unkontrollierten Gruppendynamik innerhalb der Teams und Unternehmenseinheiten.

Das Seminar „Burnout im Betrieb. Wie spreche ich Betroffene an?“ richtet sich an Betriebsratsmitglieder, die um die zunehmende Bedeutung von psychischen Belastungen und deren gesellschaftlichen Ursachen wissen. Sie wollen aus diesem Wissen Konsequenzen für ihr Handeln in Situationen individueller Hilfe für psychisch belastete Kolleginnen und Kollegen ziehen. Sie haben Sorgen, sich falsch oder übergriffig zu verhalten, aber auch Sorge, die Hilfesuchenden permanent betreuen zu müssen und nicht ausreichend Energie für diese Tätigkeiten zur Verfügung zu haben. Einen Impuls, diese berechtigten Sorgen zu bearbeiten, gibt das Seminar „Burnout im Betrieb. Wie spreche ich Betroffene an?“.

Ziel: Das Ziel des Seminars besteht zunächst darin, diese Sorgen und Ängste bewusst zu machen und zu reflektieren. Reflektiert lassen sie sich aus einer Ursache für Abwehr und Lähmung in ein Erkenntnismittel und in Handlungsfähigkeit auch bezogen auf konkrete Situationen verwandeln. Betriebsräte sind in der Folge besser in der Lage, bewusste und konkrete Hilfe zu leisten. Zugleich werden die Grenzen des eigenen – notwendig nicht psychologisch professionellen - Handelns aufgezeigt und eine Auseinandersetzung mit den Gefahren von Grenzüberschreitungen ermöglicht. Die dadurch gewonnene Sicherheit erleichtert es, diejenigen Kolleginnen und Kollegen initiativ anzusprechen, bei denen starke psychische Belastungen vermutet werden. Durch den Begriff der „distanzierten Anteilnahme“ wird ein Konzept dargestellt, das einerseits Übergriffe verhindert, und andererseits die helfende Person schützt.

Methode: Das wichtigste Mittel, womit Betriebsratsmitglieder lernen können, diese Fragen angemessen zu beantworten und entsprechende Sicherheit zu gewinnen, ist die Reflexion der eigenen Angst, etwas falsch zu machen. Die Methode des Seminars besteht daher in erster Linie darin, diese Ängste bewusst zu machen und so die Gefahr der Abwehr zu vermeiden. Die in der Reflexion erkannte und anerkannte Angst lässt sich auswerten in Bezug auf

1. die Grenzen der eigenen Kompetenz 2. den Schutz der eigenen Energien der helfenden Betriebsratsmitglieder 3. und die Auseinandersetzung mit Übertragungen und Gegenübertragungen

Die Funktion von Intervision und Supervision wird erläutert und – soweit möglich – das Gespür dafür entwickelt, wie man diese Mittel nutzen kann, sich mit dem eigenen Handeln auseinanderzusetzen. Zur Vertiefung der Thematik von psychischen Belastungen im Unternehmen sind Fortbildungen notwendig und ggf. vom Arbeitgeber zu bezahlen, um die entsprechenden Qualifikationen der Betriebsratsmitglieder zu entwickeln und zu fördern. Die gemeinsame Reflexion zu erfahren und zu erleben wird zugleich die Möglichkeit aufzeigen, durch Gespräche untereinander gemeinsam solche Fragen in einer Intervision zu bearbeiten und sich gegenseitig Hilfestellung zu leisten.

Die Schritte: 1. Die Dynamik der Helferbeziehung bei psychischen Belastungen 2. Die „Abwehr“ und die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten – die eigene Angst anerkennen 3. Die eigene Angst erfassen und thematisieren können 4. Die konkreten Ursachen der eigenen Angst in der Situation erfassen und analysieren 5. Die Angst des betroffenen Kollegen und der betroffenen Kollegin antizipieren und zu erfassen suchen und entsprechende Spekulationen überprüfen 6. Die eigene Angst als Erkenntnismittel der Situation nutzen 7. Die „distanzierte Anteilnahme“ als Konzept der Hilfeleistung a. Den Kolleginnen und Kollegen nichts aus der Hand nehmen b. möglichst Hilfe zur Selbsthilfe c. möglichst nur da Hilfe, wo sie auch verlangt wird d. Hilfe immer endlich gestalten: Ziele gemeinsam festlegen, Hilfe zielorientiert anbieten, Kontrolle, wann Ziele erreicht sind und Hilfeleistung beendet ist e. Abgrenzung des Klienten, der Klientin akzeptieren 8. Achtsamkeit bezüglich eigener Grenzen a. Übertragungen bemerken b. Gegenübertragungen beachten: Beschäftigung mit der Motivation zu helfen c. Sich auf Schritte der Hilfe verständigen und sich daran halten d. Termine festlegen und sich daran halten: Auch das Ende der Termine wie der Hilfeleistung insgesamt vereinbaren und durchsetzen e. Eigene Arbeitszeiten einhalten und durchsetzen f. Weiterleitung und Vermittlung an Profis 9. Die Notwendigkeit von Intervision und Supervision a. Intervision: Vorteile und Grenzen b. Supervision: Vorteile und Grenzen c. Auseinadersetzung mit der eigenen Motivation, helfen zu wollen 10. Technische Hilfsmittel, z. B. Checkliste zur Gesprächsvorbereitung 11. Unterstützung durch den Arbeitgeber einfordern